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Was ist Zwang?

Symptome

Stehen Sie manchmal stundenlang im Badezimmer und müssen sich die Hände waschen?

Haben Sie andauernd das Bedürfnis, sich bei Freunden oder der Familie rückzuversichern, dass alles in Ordnung ist?

Oder gehen Sie gedanklich immer wieder im Kopf durch, ob Sie beim Verlassen des Hauses auch nichts vergessen haben?

 

Dann ist es gut möglich, dass Sie unter sogenannten "Zwangshandlungen" oder auch "mentalen Zwangshandlungen" leiden. Dabei handelt es sich um wiederholende Verhaltensweisen, Rituale oder mentale Akte, die als unangenehm und sinnlos erlebt werden, zu denen Betroffene sich jedoch gezwungen fühlen.

Zwangshandlungen gehen die sogenannten "Zwangsgedanken" voraus. Dabei handelt es sich um Gedanken, die mit einer Art Anspannung oder negativen Gefühlen verbunden sind.

Die Zwangshandlungen werden dann eingesetzt, um die Anspannung und die negativen Gefühle zu reduzieren und zu unterdrücken.

 

Inhaltlich äußern sich solche Zwänge ganz unterschiedlich. Wie die Beispiele oben beschreiben, können typische Themen Hygiene, Kontrolle und Ordnung sein. Aber auch andere Themen, wie Religion, die Beschäftigung mit richtigem und falschen Verhalten, Aggression und Scham sind denkbar. Grundsätzlich, kann ein Zwang sich auf alle Bereiche des alltäglichen Lebens setzen und tendiert dazu sich - insofern der Zwang unbearbeitet bleibt - von dort aus auf immer mehr Bereiche des Lebens auszuweiten.

Diagnose

Haben Sie Gedanken, die Sie nicht haben wollen?

Beschäftigen Sie sich exzessiv / übermäßig mit Tätigkeiten wie Sauberkeit und Sicherheit?

 

Gut 80% der Betroffenen beantworten diese beiden Fragen mit einem eindeutigen "Ja", sodass die Antworten als guter Hinweis für das Bestehen einer Zwangserkrankung herangezogen werden können. Letztendlich sollte eine Zwangerkrankung jedoch von einem Facharzt oder Psychotherapeuten in einer ausführlichen Diagnostik mit zwangsspezifischen Testverfahren diagnostiziert werden.

 

Nach dem Internationalen Klassifikationssystem für Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) müssen für das Vorliegen einer Zwangserkrankung folgende Begebenheiten vorliegen:

 

  • es müssen mindestens zwei Wochen lang an den meisten Tagen Zwangsgedanken oder -handlungen oder beides nachweisbar sein
  • Zwangsgedanken werden als die eigenen Gedanken erkannt und nicht als von außen aufgezwungen ( nicht wie das Hören von Stimmen im Rahmen Schizophrenie) erlebt
  • Die Betroffenen versuchen sich gegen die Zwangssymptome zu wehren, haben dabei aber keinen - oder nur einen sehr begrenzten - Erfolg
  • Die Zwangsgedanken und -handlungen wiederholen sich auf die gleiche Weise ("stereotyp") in einer für den Betroffenen unangenehmen Weise und werden darüber hinaus als sinnlos oder zumindest übertrieben empfunden

  • Die Betroffenen leiden unter ihren Zwangsgedanken und -handlungen. Der damit verbundene hohe Zeitaufwand behindert sie in ihren sozialen Kontakten und ihrer allgemeinen Leistungsfähigkeit 

 

Um zu erforschen, ob bei Ihnen wirklich eine Zwangserkrankung vorliegt, sollte jedoch am besten der Rat eines Fachexperten herangezogen werden, denn leicht kann es zu Verwechselungen mit anderen Krankheiten kommen, wie z.B. einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung oder einer Schizophrenie, die z.T. ganz anders behandelt werden müssten, als eine Zwangserkrankung.

 

Verbreitung und Verlauf

Ungefähr 2% der Bevölkerung leidet an einer Zwangserkrankung, wobei Frauen und Männer etwa gleich häufig betroffen sind. Die Zwangsstörung ist damit die vierthäufigste seelische Erkrankung nach den Phobien, der Depression und der Sucht.

 

Der Beginn der Erkrankung liegt meist im frühen Jugendalter oder frühen Erwachsenenalter. Oft beginnt der Zwang schleichend in einem bestimmten Lebensbereich (z.B. der Hygiene), kann sich dann aber im weiteren Verlauf intensivieren und auch auf weitere Bereiche ausweiten.

 

In frühen Phasen kann es zu sogenannten Symptomverschiebungen kommen, d.h. bestimmte Zwänge können verschwinden, während andere, neue Zwänge auftauchen.
Der weitere Verlauf ist überwiegend stetig zunehmend, d.h.chronisch. Es hier kommt weniger zu Symptomverschiebungen, sondern die vorhandenen Zwänge verfestigen sich. Seltener kann es auch zu einem phasischen Verlauf kommen.

 

Bei vielen Betroffenen kommt es sowohl bei erhöhtem Stress und Belastung als auch in unterfordernden Situationen zu einer Verstärkung der Symptomatik.

 

Häufig vergehen mehrere Jahre bis Betroffene sich um Hilfe von Experten bemühen, da viele Zwangserkrankte sich zunächst ob ihrer Erkrankung schämen und unter großer Anstrengung versuchen, die Beschwerden zu verheimlichen. Allerdings ist eine (psychotherapeutische) Behandlung oft effektiver und wirksamer, wenn die Zwänge noch nicht so stark chronifiziert sind.

 

Nach einer erfolgreichen Therapie kommt es meist zu starken Verbesserungen der Symptomatik, in seltenen Fällen auch zu einer kompletten Heilung.

Ursachen

Zu den Ursachen bzw. der Entstehung einer Zwangserkrankung gibt es verschiedene Theorien.

 

Kognitive Theorien gehen davon aus, dass jeder Mensch manchmal aufdringliche, als ich-fremd empfundene Gedanken hat (z.B. "Ich könnte jemanden verletzen"). Anders als nicht Zwangserkrankte bewerten Zwängler eben diese Gedanken allerdings als bedrohlich und reagieren mit starken negativen Gefühlen wie Scham, Ekel oder Angst. Um aus dieser unangenehmen Gefühlslage herauszukommen, führen Betroffene bestimmte spannungsreduzierende Verhaltensweisen aus. Da die Anspannung auf diese Weise relativ erfolgreich vermindert werden konnte, ist es wahrscheinlich, dass Betroffene auch in der nächsten Situation dieser Art auf die gleiche Weise reagieren werden. Eine Zwangserkrankung kann also als das Ergebnis von Vermeidungslernen (Betroffene lernen, unangenehme oder krisenhafte Situationen zu vermeiden bzw. in eben solchen Situationen spannungsreduzierende Verhaltensweisen auszuführen) und späterer Verstärkung angesehen werden. So gesehen sind Zwänge also dysfunktionale Lösungen eines real gar nicht vorhandenen Problems.

 

Neben diesen kognitiv-verhaltenspsychologischen Theorien gibt es auch neurobiologisch einige Auffälligkeiten.

Im Gehirn eines Zwangserkrankten gibt es bestimmte Hirnbereiche, die im Vergleich zu Nicht-Zwänglern besonders stark aktiviert sind. Die betroffenen Hirngebiete haben bei normaler Aktivierung eine bestimmte Filterfunktion: einmal begonnene, wichtige Handlungen und Gedanken werden ausgeführt, während unwichtige, ablenkende Handlungen und Gedanken gehemmt werden. Eben diese hemmende Funktion ist bei Zwangserkrankten schwächer ausgeprägt, wodurch es zu Zwangsgedanken und -handlungen kommen kann.

Diese Auffälligkeiten in der Hirnaktivierung normalisieren sich bei einer erfolgreichen Therapie wieder.

Behandlung

Für die Behandlung von Zwängen kommen vor allem zwei Möglichkeiten (oft auch in Kombination) infrage.

 

Zum Einen kann der Zwangserkrankung mit bestimmten Medikamenten entgegengewirkt werden. Hier können Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) oder Clomipramin in Betracht gezogen werden. Bei beiden Medikamenten bzw. Medikamentengruppen handelt es sich um Antidepressiva, die bei einer Zwangsstörung aber typischerweise höher dosiert werden.

Eine spürbare Wirkung der Medikamente setzt erst nach ca. 8 - 12 Wochen ein, was das Risiko bergen kann, dass die Medikamente von Zwangserkrankten selbst abgesetzt werden. Die Medikamente sollten allerdings kontinuierlich eingenommen werden, um eine Wirksamkeit zu erzielen.

 

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit stellt die kognitive Verhaltenstherapie dar. Diese Therapieform arbeitet im Rahmen der Zwangserkrankung vor allem mit der Methode der Reizkonfrontation. Betroffene werden - natürlich freiwillig und nicht ohne Vorbereitung und Herausarbeitung der Motivation - genau den Situationen ausgesetzt, in denen sie normalerweise ihre Zwangshandlungen ausführen. In dieser Situation soll nun jedoch versucht werden, dem inneren Druck und der Anspannung standzuhalten und den Zwang nicht auszuführen.

Die Methode ist für Betroffene zwar belastend, führt aber dazu, dass es zu einer Habituation, d.h. einer Gewöhnung an die Situation kommt. Langfristig gesehen verbessert sich die Zwangssymptomatik sich auf diese Weise erheblich. Eine solche Reizkonfrontation kann zunächst mit dem Therapeuten zusammen durchgeführt werden. Im weiteren Verlauf der Behandlung ist es dann wichtig, dass Betroffene sich auch alleine in solche konfrontierenden Situationen begeben.

Neben der Reizkonfrontation wird in der Therapie zudem auf eine Einsicht und Verständnis des Problems und der Erkrankung hingearbeitet und Gedanken hinterfragt.

 

Behinderung durch Zwänge

Zwangserkrankte haben meist einen sehr hohen Leidensdruck.
Die Zwänge werden zumeist als ich-fremd und ungewollt empfunden. Manche Betroffene haben aus diesem Grund auch eine gewisse Angst vor dem „Verrücktwerden“ bzw. vor einer Schizophrenie, auch wenn diese Angst in den allermeisten Fällen unbegründet ist.

 

Diese Befremdlichkeit der eigenen Zwänge führt oft auch dazu, dass Betroffene ein sehr ausgeprägtes Schamgefühl bezüglich ihrer Erkrankung haben und auch (oft erfolglos) versuchen, Widerstand gegen ihre Zwänge zu leisten.

 

Durch diese psychische Belastung, aber auch durch den hohen Zeitaufwand, den die Zwänge in Anspruch nehmen können, kommt es häufig zu Problemen am Arbeitsplatz und auch im sozialen Umfeld.  

 

 

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© Janine Futschek