
Strategien
Hier gibt es einen einfach gehaltenen Überblick über Strategien die einem helfen können mit seinen Zwängen besser umzugehen. Natürlich sind das keine Wundermittel... es gehört Zeit und Arbeit dazu um sich solche Strategien anzueignen.
Der doppelte Standard
Den "doppelten Standard" hat ein Teilnehmer unserer Gruppe mal bei uns auf den Weg gebracht... eine sehr effektive Methode bei Betroffenen bei denen Logik noch in irgendeiner Form gegen die Zwänge funktioniert.
Diese Methode ist auch bei vielen Zwängen einsetzbar und wirklich sehr simpel.
Man analysiert seine Zwänge generell, oder eben einen speziellen Zwang der gerade akut auftritt und statt dann seinen üblichen Zwangsgedanken oder -handlungen nachzugehen überlegt man sich was man einer anderen Person in der selben Situation raten würde zu tun. Man würde nämlich keinem empfehlen sich zwanghaft zu verhalten und so bekommt man eine andere Sicht auf die eigenen Zwänge und wie unsinnig sie tatsächlich sind. Mit dieser anderen Sicht sollte es einem leichter fallen den Zwängen zu wiederstehen. Sicher wird auch hier die Anspannung erst mal steigen aber irgendwann auch wieder nachlassen.
Es gibt nur das Hier und Jetzt
Diese Strategie basiert auf Erkenntnissen aus dem Buch "Jetzt! - Die Kraft der Gegenwart" von Eckhart Tolle. In dem Buch geht es eigentlich gar nicht um Zwangsstörungen, dennoch ist sein Ansatz auch bei Zwängen sehr hilfreich.
Im Grunde genommen kann man das bei allen möglichen Arten von Zwängen ausprobieren, besonders hilfreich ist diese Strategie aber bei Zwänglern die durch Unterbrechungen getriggert werden oder Zwänglern die immer eine gewisse Ordnung um sich rum benötigen (in Form von Kontrollen) bevor sie sich anderweitig beschäftigen können.
Die Strategie ist eigentlich ganz einfach, man muss sich einfach bewusst machen das es immer nur das Hier und Jetzt gibt. Aktuell ist immer nur der Moment, das heisst man kann sich auch immer nur einer Sache widmen und alles andere spielt währenddessen keine Rolle. Alle Gedanken die beim aktuellen Tun aufkommen, die versuchen einen zu triggern oder abzulenken kann man einfach vorbeiziehen lassen. Wenn diese Gedanken tatsächlich wichtig sind werden sie automatisch zum gegebenen Zeitpunkt wieder auftauchen wo sie relevant sind und dann macht es auch erst Sinn sich damit zu beschäftigen. Am Anfang wird einem das natürlich erst mal schwer fallen, das Ignorieren von Gedanken führt natürlich zu Anspannung. Diese lässt aber nach je intensiver man sich der eigentlichen Aufgabe mit der man gerade beschäftigt ist widmet. Je öfter man das macht desto einfacher wird es mit der Zeit, es ist einfach nur Übungssache.
Tue was OCD nicht von dir will
Betrachte OCD einfach als ein starkes Gehirn, das darauf abzielt, jederzeit deine ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben.
Betrachte OCD einfach als einen Tyrannen in deinem Gehirn, den du nie eingeladen hast, und er hat auch nichts mit dir zu tun.
Beginne eine andere Beziehung zu deinem Denken und zu deinen Gedanken zu haben.
Ändere die Bewertung deines Denkens und deiner Gedanken.
Höre auf dich für deine Gedanken verantwortlich und schuldig zu fühlen.
Erlaube jedem Gedanken so zu sein wie er ist.
Höre auf ernsthaft über Zwangsstörungen zu sprechen.
Höre auf Aussagen des Zwangs ernstzunehmen.
Erlaube dir etwas nicht zu wissen.
Erlaube dir Rituale nicht durchzuführen.
Erlaube dir das du Rituale nicht perfekt beenden musst.
Liebe dich selbst.
Nimm deine eigenen Gefühle war.
Breche OCD-Regeln.
Mache deine Therapie mit Entschlossenheit.
Erhalte ein immer tieferes Verständnis für deine Störung.
Sei immer wachsam für neue Zwangsstörungen.
Hör auf perfekt sein zu wollen.
Weigere dich auf die Bitten und Forderungen von OCD einzugehen.
Verfolge deine Lebensziele.
Umgekehrte Kontrolle
Die "Umgekehrte Kontrolle" ist keine Strategie um Zwänge loszuwerden, eher eine Hilfe um bei seinen Zwängen Zeit zu sparen. Diese Methode hat mir bei meinen Kontrollzwängen schon öfters das Leben sehr erleichtert.
Viele werden es kennen... man hat seine üblichen Kontrollrituale ausgeführt und alles fühlt sich "perfekt" an. Leider hält sich dieses Gefühl meistens nicht sehr lange, vor allem in stressigen Situationen oder wenn sehr viele Dinge auf einmal passieren ist sehr schnell wieder die Unsicherheit und die Anspannung da und man möchte seine kompletten Kontrollen wieder im Kopf durchgehen um sich zu beruhigen.
Das ist genau der Moment wo einem die "Umgekehrte Kontrolle" das Leben etwas erleichtern kann. Statt im Kopf seine kompletten Rituale (... und das können beliebig viele sein...) nochmal Stück für Stück durchzugehen (und dabei vielleicht auch wieder unterbrochen zu werden usw.) um sich zu versichern das alles in Ordnung ist, überlegt man sich einfach ob einem etwas einfällt was nicht in Ordnung ist. Üblicherweise wird einem nichts einfallen und damit hakt man das Thema auch wieder für sich ab. Die Anspannung geht damit am Anfang natürlich nicht so schnell runter wie nach der kompletten Kontrolle, aber mit der Zeit wird das immer schneller gehen.
Man muss sich hier natürlich bewusst sein das mein ein ausführliches Ritual nur durch ein kurzes ersetzt... also nicht wirklich gegen den Zwang arbeitet. Trotzdem finde ich das hilfreich für Betroffene die vielleicht noch am Anfang ihrer Therapie stehen und sich auf Expositionen noch nicht einlassen können. Eine Verbesserung ist es auf jeden Fall.